TTWROR und internen Zinsfuß verständlich unterscheiden: Formeln, Zahlungsströme, Rechenbeispiel, typische Fehler und die passende Kennzahl für Depotvergleich oder persönlichen Anlageerfolg.
TTWROR oder IZF? Die Entscheidung in zwei Fragen
Nutzen Sie die zeitgewichtete Rendite, wenn Sie die Entwicklung einer Strategie, eines Fonds oder eines verwalteten Portfolios beurteilen wollen, ohne den Einfluss Ihrer Ein- und Auszahlungszeitpunkte in den Vordergrund zu stellen. Die TTWROR – True Time-Weighted Rate of Return – zerlegt den Gesamtzeitraum an externen Zahlungsströmen, berechnet die Rendite der Teilperioden und verknüpft sie geometrisch. Die GIPS-Standards bevorzugen zeitgewichtete Renditen für liquide Portfolios, weil kundengesteuerte Zahlungsströme nicht als Leistung oder Fehler des Managements gelten sollen.
Nutzen Sie den internen Zinsfuß, wenn Sie wissen möchten, wie sich Ihr tatsächlich gebundenes Kapital unter Berücksichtigung von Höhe und Datum der Zahlungen entwickelt hat. Der IZF ist eine geldgewichtete Rendite und wird bei unregelmäßigen Kalendertagen häufig als XIRR bezeichnet. Große Beträge in guten oder schlechten Phasen beeinflussen das Ergebnis stärker. Keine Kennzahl ist die „wahre“ Rendite für alle Zwecke: TTWROR beschreibt eher die Strategieentwicklung, IZF eher die persönliche Kapitalerfahrung.
Was ist ein externer Zahlungsstrom?
Ein externer Zahlungsstrom überschreitet die Grenze des betrachteten Portfolios. Eine Überweisung vom Girokonto ins Depot ist eine Einzahlung; eine Überweisung vom Depot auf das Girokonto ist eine Entnahme. Ein Kauf innerhalb des Depots tauscht dagegen nur Cash gegen Wertpapier und ist kein externer Strom. Dasselbe gilt grundsätzlich für eine Dividende, die auf dem Verrechnungskonto des betrachteten Gesamtdepots verbleibt. Wird sie aus dem Portfolio ausgezahlt, wird sie ab diesem Zeitpunkt zur externen Entnahme.
Definieren Sie die Portfoliogrenze vor der Rechnung. Wer nur eine einzelne Position betrachtet, behandelt den Kauf aus Depotcash als Zufluss zur Position und den Verkauf als Abfluss. Wer das gesamte Depot einschließlich Verrechnungskonto betrachtet, erfasst diese Vorgänge intern. Überträge zwischen zwei Depots sind für jedes Einzeldepot externe Zahlungen, können in einer konsolidierten Gesamtbetrachtung aber interne Umbuchungen sein. Unterschiedliche Grenzen erklären viele scheinbar widersprüchliche Performancewerte.
So funktioniert die TTWROR rechnerisch
Für eine echte zeitgewichtete Rendite wird das Portfolio unmittelbar vor beziehungsweise passend zum Zeitpunkt jedes externen Zahlungsstroms bewertet. Für jede Teilperiode entsteht eine Rendite aus Anfangswert, Endwert und der nach einer festgelegten Konvention zugeordneten Zahlung. Anschließend werden die Wachstumsfaktoren multipliziert: Gesamtfaktor gleich Produkt aus eins plus Teilperiodenrendite; davon wird eins abgezogen. Zwei Teilperioden mit plus zehn und minus zehn Prozent ergeben daher nicht null, sondern 1,10 mal 0,90 minus 1 gleich minus ein Prozent.
Die Genauigkeit hängt von den Bewertungen ab. Bei börsennotierten liquiden Wertpapieren sind tägliche Schlusskurse praktikabel; illiquide Anlagen oder fehlende Kurse erzeugen Schätzfehler. Manche Programme verwenden Modified Dietz oder tagesgewichtete Näherungen, wenn keine Bewertung zu jedem Zahlungsstrom vorliegt. Diese Verfahren können sinnvoll sein, sind aber nicht identisch mit einer echten TTWROR. Dokumentieren Sie Bewertungszeitpunkt, Kursquelle sowie Behandlung von Zahlungen am Tagesanfang oder -ende.
So funktioniert der interne Zinsfuß
Der IZF sucht den jährlichen Diskontsatz, bei dem der Barwert aller Ein- und Auszahlungen einschließlich des Endwerts null ergibt. Aus Sicht des Anlegers werden Einzahlungen in das Portfolio üblicherweise mit negativem Vorzeichen und Rückflüsse sowie Endwert positiv erfasst. Bei unregelmäßigen Daten verwendet eine XIRR-Berechnung die tatsächlichen Tagesabstände. Das Resultat ist annualisiert; ein direkter Vergleich mit einer nicht annualisierten TTWROR für wenige Monate wäre methodisch falsch.
Der IZF setzt die gesamte Zahlungsreihe in eine einzige Rate um. Er kann bei ungewöhnlichen Vorzeichenwechseln mehrere mathematische Lösungen besitzen oder gar nicht stabil berechenbar sein. Tabellenprogramme können außerdem je nach Startwert, Rundung oder fehlenden Daten unterschiedliche Fehlermeldungen liefern. Prüfen Sie das Ergebnis mit einer Kapitalwertrechnung: Werden alle Zahlungsströme mit dem gefundenen Satz abgezinst, sollte die Summe nahe null liegen. Ein plausibel aussehender Prozentwert ist ohne diese Gegenprobe kein Beleg für korrekte Daten.
Rechenbeispiel: gleicher Depotverlauf, andere Aussage
Ein Depot startet mit 10.000 Euro und steigt in der ersten Teilperiode um zehn Prozent auf 11.000 Euro. Danach zahlt die Anlegerin 9.000 Euro ein, sodass 20.000 Euro investiert sind. In der zweiten Teilperiode verliert das Depot zehn Prozent und endet bei 18.000 Euro. Die TTWROR verknüpft plus zehn und minus zehn Prozent und ergibt minus ein Prozent. Die Einzahlung verändert diese Strategiekennzahl nicht, weil die beiden Marktphasen jeweils als Teilperiode betrachtet werden.
Der IZF fällt in diesem Beispiel ungünstiger aus, weil in der Verlustphase deutlich mehr Kapital gebunden war als in der Gewinnphase. Genau diese Abweichung ist informativ: Die Strategie verlor über beide Teilperioden nur ein Prozent zeitgewichtet, die persönliche Zahlungsentscheidung führte jedoch zu einer schwächeren geldgewichteten Erfahrung. Wäre das große Kapital vor der positiven Phase eingezahlt worden, könnte der IZF über der TTWROR liegen. Daraus folgt keine sichere Timing-Regel, sondern nur eine saubere Trennung von Marktentwicklung und Kapitalgewicht.
Gebühren, Steuern, Dividenden und Fremdwährungen konsistent behandeln
Legen Sie fest, ob die Performance brutto oder netto von Kosten gezeigt wird. Transaktionskosten, Depotentgelte und Verwaltungsgebühren mindern die persönliche Rendite, werden von Datenanbietern aber nicht immer gleich behandelt. Steuern hängen vom Einzelfall ab und können als externe Entnahme oder als renditemindernder Abfluss innerhalb der Portfoliogrenze erfasst werden. Wichtig ist, dass Benchmark und Depot auf einer vergleichbaren Basis stehen und die Konvention nicht zwischen Perioden wechselt.
Total Return umfasst realisierte und unrealisierte Kursänderungen sowie Erträge. Eine Dividende darf daher nicht gleichzeitig als Wertzuwachs und zusätzlicher externer Zufluss doppelt gezählt werden. Bei Fremdwährungen entscheidet die Berichtswährung: Für ein Euro-Depot gehören Wertpapierentwicklung und Wechselkurseffekt zusammen, sofern nicht ausdrücklich eine lokale Rendite gezeigt wird. Verwenden Sie für alle Positionen denselben Bewertungszeitpunkt und kennzeichnen Sie Schätzkurse, fehlende Preise oder rückwirkend korrigierte Transaktionen.
Welche Kennzahl passt zu welchem Anwendungsfall?
Für den Vergleich eines Fonds oder Vermögensverwalters mit einer Benchmark ist TTWROR meist näher an der Frage nach der Anlageleistung, weil private Sparraten nicht die Vergleichsrendite verzerren sollen. Für einen persönlichen Zielpfad – etwa ob Einzahlungen und Depotwert gemeinsam zur geplanten Ruhestandssumme geführt haben – ist der IZF oft anschaulicher. Bei geschlossenen, illiquiden Investments mit vom Manager gesteuerten Kapitalabrufen kann eine geldgewichtete Kennzahl ebenfalls sachgerecht sein; Art des Investments und Kontrolle über Zahlungsströme sind entscheidend.
Für das eigene Dashboard kann eine Kombination sinnvoll sein: TTWROR für Strategie und Benchmark, IZF für die persönliche Kapitalrendite, dazu absolute Wertänderung und Nettoeinzahlungen. Ergänzen Sie Zeitraum, Start- und Endwert sowie Kostenbasis. Eine einzelne Prozentzahl beantwortet weder, wie viel Vermögen aufgebaut wurde, noch ob das Ergebnis zum eingegangenen Risiko passt. Zeigen Sie außerdem keine annualisierte Rendite ohne Kennzeichnung und vergleichen Sie verschiedene Depots nur bei übereinstimmender Methode und Periode.
Typische Fehler und ein reproduzierbarer Kontrollablauf
Häufige Fehler sind fehlende Überträge, falsche Vorzeichen, als extern erfasste interne Käufe, doppelte Dividenden, nicht berücksichtigte Gebühren, unterschiedliche Tageskurse und ein Endwert ohne Verrechnungskonto. Auch ein Depotübertrag mit falschem Einstandswert kann Steuerdaten und Performance zugleich verfälschen. Stimmen Sie deshalb zuerst Bestände und Cash mit den Abrechnungen ab, bevor Sie über die Renditemethode diskutieren.
Bauen Sie einen kleinen Kontrollfall mit wenigen Zahlungen, dessen Ergebnis von Hand nachvollziehbar ist. Exportieren Sie anschließend Transaktionen, Bewertungen und Methodeneinstellung des Tools. Prüfen Sie eine Periode ohne externe Zahlungen – dort sollten zeit- und geldgewichtete Rendite bei identischer Annualisierung weitgehend zusammenpassen. Speichern Sie Datenstand und Korrekturen. Bei einem Methodenwechsel beginnen Sie keine scheinbar nahtlose Vergleichsreihe, sondern kennzeichnen den Bruch ausdrücklich.
Häufige Fragen
Welche Kennzahl ist die echte Rendite?
Beide sind valide, beantworten aber andere Fragen. TTWROR misst die Entwicklung der Strategie weitgehend unabhängig von externen Zahlungen; der IZF gewichtet die Rendite mit Höhe und Zeitpunkt des tatsächlich gebundenen Kapitals.
Warum weichen TTWROR und IZF stark voneinander ab?
Meist lagen große Ein- oder Auszahlungen vor besonders guten oder schlechten Perioden. Der IZF gewichtet diese Phasen nach Kapitalhöhe, während TTWROR die Teilperioden geometrisch ohne dieses Kapitalgewicht verknüpft.
Sind Dividenden externe Zahlungsströme?
Nicht automatisch. Bleibt die Dividende innerhalb der betrachteten Portfoliogrenze, ist sie Teil des Anlageertrags. Erst eine Auszahlung aus dem betrachteten Portfolio wird zur externen Entnahme. Entscheidend ist eine konsistente Definition.
Was ist der Unterschied zwischen IZF, IRR und XIRR?
IZF ist die deutsche Bezeichnung für Internal Rate of Return. Ein periodischer IRR unterstellt gleichmäßige Perioden; XIRR berücksichtigt konkrete Kalenderdaten und ist für unregelmäßige Depotzahlungen typischerweise geeigneter.
Kann der interne Zinsfuß nicht berechnet werden?
Ja. Ohne geeigneten Vorzeichenwechsel existiert keine Lösung; bei komplexen Zahlungsreihen können mehrere Lösungen auftreten. Auch unvollständige Daten oder ein unpassender Startwert können die numerische Berechnung scheitern lassen.
Wie vergleiche ich meine Depotperformance mit einem Index?
Verwenden Sie denselben Zeitraum, dieselbe Währung, eine Total-Return-Variante des Index und eine vergleichbare Kostenbasis. Für die Strategiebeurteilung ist eine zeitgewichtete Depotrendite meist sachnäher als der persönliche IZF.
Quellen und weiterführende Informationen
Aussagen mit Zeitbezug sollten Sie anhand der verlinkten Originalquellen auf ihren aktuellen Stand prüfen.
